25.09.17

Damit Kinder sich ihrer Armut nicht schämen müssen

Unternehmen engagieren sich: Laufpatenschaften beim EZ-Lauf kommen dem Schulkinderprojekt der Diakonie zu Gute.

Spendenübergabe mit Karl Sohn, Helmut Erb, Gaby Hollek, Inka Erb, Dietmar Bauer-Sonn, Sarah Kindt, Beate Schmauk, Michael Leistner (v.l.), Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

„Antreten gegen Armut“ – unter diesem Motto formiert sich seit vielen Jahren das Diakonie-Fund-Racing-Team des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV). Mehr als 50 Läuferinnen und Läufer gingen in diesem Sommer beim EZ-City-Lauf für den guten Zweck an den Start. 5115 Euro an Spenden kamen dabei zusammen. Das Geld kommt komplett dem Schulkinderprojekt des KDV zu Gute, das Kinder aus bedürftigen Familien im ganzen Landkreis unterstützt.

Der größte Teil des erlaufenen Geldes, ganze 4500 Euro, ist Laufpatenschaften von Firmen zu verdanken, betonte Dietmar Bauer-Sonn, der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen, der einen entsprechenden Spendenscheck entgegennahm. Seit neun Jahren gibt es das Schulkinderprojekt. Allein in den letzten fünf Jahren wurden fast 100 000 Euro an Spenden gesammelt und weitergegeben, berichtet Reinhard Eberst, im KDV für den Bereich Freunde und Förderer verantwortlich. 2016 profitierten vom Projekt 176 Familien mit 408 Kindern.

Wer schulpflichtige Kinder hat weiß, wie viel Geld fällig wird für Schulbedarf und Aktivitäten wie etwa Klassenfahrten. „Die Leistungen für Hartz-IV-Empfänger oder Geringverdiener reichen nicht aus, um Kinder mit den nötigen Schulmaterialien auszustatten, da müsste sich politisch etwas ändern“, betont Bauer-Sonn. Das bestätigt Beate Schmauk, die in der Sozial- und Lebensberatung des KDV den Alltag bedürftiger Familien kennt. 70 Euro gibt es extra zur Einschulung und weitere 30 Euro im Februar. Doch dies reiche nicht, um Schulranzen, Mäppchen, Sportkleidung, Turnschuhe und vieles mehr zu bezahlen.

Weniger als 1,30 Euro pro Monat sieht der Regelsatz für Bildung bei Kindern zwischen sechs und 14 Jahren vor, bei Erwachsenen 1,04 Euro. Da kommen Familien rasch an ihre finanziellen Grenzen. Schmauk berichtet von einer Alleinerziehenden mit einem zehnjährigen Sohn, die sich mit zwei Minijobs über Wasser hält und keine staatlichen Leistungen in Anspruch nimmt. Doch für Schulmaterial wie Stifte und Hefte reichte das Geld nicht. Aus dem Schulkinderprojekt bekam sie einen Zuschuss. Auch einer Flüchtlingsfamilie, deren Sohn das Gymnasium besucht, griff die Diakonie unter die Arme, um das Taschengeld für einen Schullandheimaufenthalt zu ermöglichen. Schmauk kritisiert, dass die Ansprüche etwa bei Klassenfahrten sehr gestiegen seien und damit für viele unerschwinglich würden. Statt in den Schwarzwald gehe es heute ins Ausland. Bedürftige Familien scheuten sich, in der Schule zu sagen, dass sie das Geld nicht aufbringen können, weiß Bauer-Sonn.  „Die Kinder wollen nicht, dass ihre Armut nach außen sichtbar wird.“

Helmut Erb von der Firma Esslinger Rohrleitungsbau hält dies für verständlich. Er und seine Frau Inka haben das Projekt deshalb gerne mit zwanzig Laufpatenschaft sehr großzügig gefördert. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Kinder nicht an schulischen Aktivitäten teilhaben können.“ Auch Gaby Hollek von der Esslinger Wohnbau und Karl Sohn von der Firma Haug und Sohn fanden die Idee so gut, dass sie sich mit Patenschaften beteiligten. Michael Leistner von der Plochinger Firma Kaatsch, die verschiedene Projekte für Jugend und Sport unterstützt, meint: „Ein bisschen ist besser als nichts.“ Er überlegt, „ob wir nächstes Jahr auch mitlaufen“. Weitere Laufpatenschaften übernahmen die Firmen Innobraze GmbH, AOK Gesundheitskasse Neckar-Fils und das Bankhaus Ellwanger und Geiger.

Geld aus dem Schulkinderprojekt gibt es immer erst, wenn ein Einkommensnachweis erbracht wurde und nach Vorlage der Kassenbelege. „So stellen wir sicher, dass das Geld für den vorgesehenen Zweck verwendet wird“, sagt Schmauk. Die finanzielle Förderung von Kindern aus Hartz-IV-Familien hält sie für langfristig sehr effektiv: „Die wissen oft genau was sie wollen und haben eine gute Chance, später einmal nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.“

Autor/Autorin: Ulrike Rapp-Hirrlinger, Quelle Esslinger Zeitung