Gebt den Kindern Taschengeld!

Jugend-Schuldnerberatung „Cashflow“ zieht nach zwei Jahren eine positive Zwischenbilanz

Foto (Dietrich): v.l. Andrea Lenz, Sozialpädagogische Begleitung und Anti-Gewalt-Trainerin bei RESET in Ostfildern (ein Projekt der Kinder- und Jugendförderung Ostfildern, getragen vom KJR), den Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, Eberhard Haußmann, und Lena Stumpp, Projektmitarbeiterin „Cashflow“

„Jugendliche ticken anders“, sagt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. Wie Erwachsene sechs Monate oder noch länger auf eine Schuldnerberatung warten, das gehe nicht: Wenn sie tatsächlich den Schritt tun, sich zu melden, muss was passieren.“ Das tut es auch, dank Cashflow“ seit nun zwei Jahren, und es passiert sehr erfreulich. 

Seit dem 1. Oktober 2015 gibt es im Landkreis Esslingen die Jugend-Schuldnerberatung Cashflow, dafür ist Lena Stumpp zu 60 Prozent angestellt. Sie hat Sozialwirtschaft studiert und ist die restlichen 40 Prozent in der Schuldnerberatung für Erwachsene tätig. In Cashflow hilft sie Jugendlichen bis zu 27 Jahren, den Druck rauszunehmen und einen Überblick zu bekommen: Wer will da alles Geld von mir? Muss ich das bezahlen? Ist eine Forderung ungerechtfertigt oder verjährt? Lena Stumpp erstellt mit den Jugendlichen einen Haushaltsplan und nimmt Kontakt mit den Gläubigern auf. Da gab es den Jugendlichen, der partout nicht einsehen wollte, dass er seine Monatskarte – die er bezahlt hatte – auch noch mitnehmen und vorzeigen sollte. Das wurde teuer, doch inzwischen ließ die Deutsche Bahn mit sich reden und der Jugendliche hat es ebenfalls begriffen.

Es können 1000 Euro sein, mit denen ein Jugendlicher in der Kreide steht, es waren im Einzelfall auch schon mal 80 000 Euro. Manchmal war es jugendlicher Leichtsinn, manchmal jedoch sind Jugendliche völlig unschuldig: „Es gibt Eltern, die im Namen ihrer Kinder Verträge abschließen und diese haben dann Schulden“, sagt Lena Stumpp. Derzeit hat sie 37 laufende Beratungen und elf weitere Kontakte laufen. 31 Fälle hat sie bereits abgeschlossen. Sie hat gelernt, dass sie sehr flexibel sein muss. Bei Jugendlichen kommt schnell etwas dazwischen, Termine müssen verlegt werden. Cashflow ist auch über Smartphone erreichbar, manche Jugendliche kommen durch Empfehlung anderer, das Verhältnis zwischen Jungs und Mädchen ist ausgewogen.

Das zweite Standbein neben der Einzelberatung ist die Prävention. Bisher hat Lena Stumpp im ganzen Landkreis Esslingen 70 Veranstaltungen und Unterrichtseinheiten durchgeführt und Jugendliche über den Umgang mit dem Girokonto, über Verträge und Pfändung und vieles mehr informiert. Für straffällige gewordene Jugendliche, die in Ostfildern im Projekt „Reset“ der Kinder- und Jugendförderung Ostfildern ihre begleiteten Sozialstunden ableisten, sind drei solche Unterrichtseinheiten Pflicht. Eine inzwischen bewährte Kooperation, die nun bedroht ist, weil bei beiden Projekten die Finanzierung ausläuft.

Für drei Jahre wird Cashflow von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert, zusätzlich zu den Mitteln aus dem Diakoniespendenfonds, dem Verein Hilfe für den Nachbarn und Eigenmitteln des Kreisdiakonieverbands. Eberhard Haußmann hofft, dass es auch nach dem Herbst 2018 weitergeht,
er will Cashflow sogar auf eine 100-Prozent-Stelle ausbauen. Haußmann hat noch zwei weitere Wünsche, einen an die Berufsschulen und einen an die Eltern. Die Berufsschulen seien der rechte Ort, um über Geld zu reden, dann wenn Jugendliche ihr erstes Einkommen haben. Den Umgang mit Geld übten Kinder und Jugendliche aber schon vorher. „Gebt den Kindern Taschengeld! Vereinbart klar, was davon bezahlt werden muss. Und wenn das Geld am 25. des Monats weg ist, dann ist es weg.“