Kinder und Jugendliche sind Schwerpunkt der Arbeit

Die beiden Psychologischen Beratungsstellen des Kreisdiakonieverbands Esslingen sind eine gute Adresse für Hilfesuchende

Gunhild Ilisei, Elisabeth Rümenapf, Eberhard Haußmann (v.l.) vor der PBS ES, Otto-Riethmüller-Haus

Gunhild Ilisei, Elisabeth Rümenapf, Eberhard Haußmann (v.l.) vor der PBS ES, Otto-Riethmüller-Haus

Der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) verantwortet zwei Psychologische Beratungsstellen (PBS) – in Esslingen und auf den Fildern. Die Nachfrage nach den Beratungsangeboten ist gleichbleibend hoch – so hoch, dass oft an andere Stellen weitervermittelt werden müsse, weil nicht alle Anfragen befriedigt werden könnten, bedauert Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des KDV. „Durch die Veränderungen in der Gesellschaft werden die Probleme nicht mehr, aber größer. Es gibt mehr Unsicherheit“, sagt er.

Ob Leistungsprobleme in der Schule, Schwierigkeiten mit Eltern, dem Partner oder am Arbeitsplatz, Essstörungen, Liebeskummer oder Erziehungsfragen – die Psychologischen Beratungsstellen in Esslingen, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sind eine verlässliche Adresse für Rat- und Hilfesuchende. Schwerpunkte der Arbeit sind Familien-, Lebens- und Paarberatung. Die Beratung von Einzelpersonen und Paaren mache eine Besonderheit der PBS des KDV aus, betont Haußmann. Oft seien es ältere Paare, manchmal kommen aber auch ganz junge Menschen, um sich in Partnerschaftsfragen Rat und Hilfe zu holen. Wenn Eltern sich ums Sorgerecht oder Umgangsfragen streiten, schicken Gerichte die Paare nicht selten zur PBS. „Auch für alle Fragen des Kinderschutzes sind wir zuständig und beraten Erzieherinnen“, betont Gunhild Ilisei, die Leiterin der PBS Esslingen. Zudem engagieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Prävention, gehen in Schulklassen, besuchen Elternabende oder halten in Kirchengemeinden Vorträge. Zum „Regelangebot“ kommen Besonderheiten wie die Anlauf- und Beratungsstelle für Essstörungen, die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung in Esslingen oder die Online-Beratung auf den Fildern. Vor allem junge Menschen nutzen gerne diesen Weg, um sich Rat und Hilfe zu holen, weiß Elisabeth Rümenapf, die Leiterin der PBS Filder.
Überhaupt machen die Beratungen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Arbeit der PBS aus.

Die Beratungsstellen leisten keine Therapie, arbeiten jedoch mit therapeutischen Mitteln. „Wir helfen zur Selbsthilfe. In Gesprächen lernen die Klienten, ihre Probleme zu ordnen und anzugehen“, erklärt Rümenapf. Reicht das nicht, wird an andere Stellen weitervermittelt. „Man kann das mit der Rolle eines Hausarztes vergleichen“, sagt die Psychologin. Den meisten Klienten genügten jedoch fünf oder sechs Termine, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Dazu werden zuweilen auch andere Helfer ins Boot geholt. Nicht zuletzt deshalb ist die Vernetzung mit dem Jugendamt, den sozialen Diensten der Kommunen oder verschiedenen Arbeitskreisen sehr wichtig.

Die Schwerpunkte haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Während ADHS und auch das Komasaufen langsam zurückgehe, hat selbstverletzendes Verhalten wie Ritzen zugenommen. Immer mehr junge Leute kommen zudem wegen Mobbings in die Beratungsstelle. Ilisei vermutet, dass dies noch zunehmen wird. Auch Beratung in Trennungs- oder Scheidungsfällen wird vermehrt nachgefragt wie auch der richtige Umgang mit Medienkonsum.

In den „klassischen“ Feldern der Familien-, Paar- und Lebensberatung – ohne Online-Beratung und Essstörungen - haben die beiden PBS im vergangenen Jahr rund 1240 Fälle behandelt und damit rund 2000 Menschen erreicht. Dass die psychologische Beratung so gefragt ist, führt Haußmann auf den hohen Anspruch an die Arbeit und den Wunsch vieler Klienten, sich bei einem freien Träger beraten zu lassen, zurück. Auch der Wunsch nach einem christlich-spirituellen Hintergrund spiele eine Rolle. „Wir hören den Menschen zu, geben ihnen Raum für ihre persönlichen Fragen, ermöglichen ihnen, über ihre Ängste, Sorgen und Nöte zu sprechen und schlichten auch Streit. Wenn gewünscht, beten wir auch gemeinsam.“

Doch die Beratungsangebote stehen allen Menschen, unabhängig von Religion oder Konfession offen. Als relativ neues Angebot wird „Stein und Rose“, das sich an Menschen mit Fluchterfahrung und ehrenamtliche Begleiter richtet, gut angenommen. Neben Einzelberatung gibt es künftig auch offene Sprechstunden und therapeutische Gruppenangebote.

Rund 300 000 Euro an Eigenmitteln investiert der KDV jährlich in die beiden PBS mit insgesamt zehn vollen Stellen für Fachpersonal wie Psychologen, Sozialpädagogen, Therapeuten und Pädagogen sowie fünf Verwaltungskräften. Hinzu kommen Gelder von der Stadt Esslingen und vom Landkreis.
Gunhild Ilisei wird die PBS Esslingen Mitte September nach gut drei Jahren verlassen. Sie geht in eine Klinik, wo sie im onkologischen Bereich und in der Palliativmedizin arbeiten wird.