Einblicke in die Erziehungsberatung

Um unsere Arbeit der Familienberatung in den Psychologischen Beratungsstellen einmal anders darzustellen, haben wir für unseren Jahresbericht 2018 einen Film gedreht. In aller Kürze beschreiben wir hier den Schwerpunkt unserer Arbeit: die Beratung mit Eltern, Kindern und Jugendlichen. Wir wünschen viel Freude beim Ansehen!

Jahresstatistik Psychologische Beratungsstellen im KDV ES

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Erziehungsberatung ist stark nachgefragt

Psychologische Beratungsstellen des Kreisdiakonieverbands Esslingen ziehen Jahresbilanz

Seit vier Jahrzehnten bieten die Psychologischen Beratungsstelle (PBS) Esslingen und Filder, die seit 2008 unter dem Dach des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV) angesiedelt sind, psychologische Beratung für Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche, außerdem Paar- und Lebensberatung. In Esslingen gibt es zudem die Anlauf- und Beratungsstelle Essstörungen, auf den Fildern wird auch Online-Beratung angeboten. Als jüngstes Arbeitsfeld sind Angebote für traumatisierte Flüchtlinge und deren ehrenamtliche Begleiter hinzugekommen. „Menschen in Krisensituationen zu begleiten, ist eine wichtige diakonische Aufgabe“, betont KDV-Geschäftsführer Eberhard Haußmann. Der Bedarf liege seit vielen Jahren auf hohem Niveau. „Wir sind gut ausgelastet“, sagt Haußmann. Mit je 4,5 Personalstellen betreuen die beiden Beratungsstellen im Jahr jeweils rund 1000 Personen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unter anderem Psychologen oder Sozialpädagogen und haben alle eine therapeutische Zusatzausbildung. 

Den Schwerpunkt der Arbeit macht die Erziehungsberatung aus – auf den Fildern sind es gut 70 Prozent, weil es dort kein weiteres derartiges Angebot gibt, in Esslingen mehr als 50 Prozent der Fälle. In den Beratungen geht es unter anderem um familiäre Konflikte, Entwicklungsauffälligkeiten und seelische oder emotionale Probleme sowie Belastungen durch die Trennung der Eltern. 

Statt eines Jahresberichtes stellt der KDV in diesem Jahr erstmals die Arbeit der Erziehungsberatung in einem Kurzfilm vor. Damit wolle man Menschen erreichen, die keinen ausführlichen Bericht lesen. Und auch auf Jüngere ziele das Medium. Der Film, der auf der Internetseite des KDV verlinkt ist, möchte laut Haußmann zudem Mut machen, mit psychischen Belastungen offener umzugehen und er soll zeigen, dass es oft Alltagsprobleme sind, die durch die Beratung gelöst werden können.

In der Regel bekommt man innerhalb einiger Wochen einen Termin in den Psychologischen Beratungsstellen. „Wir haben einen guten Ruf. Viele kommen bewusst zu uns als einem freien, diakonischen Träger“, weiß Haußmann. Oft sind es Erzieherinnen, Lehrer oder Schulsozialarbeiter aber auch Gerichte, die zum Gang zur psychologischen Beratung raten, sagt Elisabeth Rümenapf, die Leiterin der PBS Filder. 

Wie breit gefächert die Problemlagen sind, zeigen Rümenapf und Dayena Wittlinger, die Leiterin des Beratungs- und Hilfezentrums Esslingen und der PBS, an wenigen Fällen. Das kann die Sorge einer Familie sein, dass ihre viereinhalbjährige Tochter den Schuleintritt nicht schafft, weil die entsprechende Untersuchung im Kindergarten Zweifel schürte. „Eine Verhaltensbeobachtung konnte zeigen, dass ihre Entwicklung altersgemäß ist“, sagt Rümenapf. Wittlinger berichtet von einem verhaltensauffälligen Achtjährigen, der nach einem Umzug keinen Anschluss in der Klasse fand und Konflikte provozierte.

Im Gespräch mit ihm und den Eltern stellte sich heraus, dass er Angst hatte, seine leistungsorientierten Eltern zu enttäuschen. Diese hatten zudem wenig Zeit für ihr Kind. Auf Anraten des Therapeuten verbringt die Familie jetzt mehr Zeit miteinander. In einem dritten Fall dauerte es länger, bis eine Lösung gefunden war. Bei einem 14-Jährigen, mit dem die Eltern ständig Streit hatten, kam der Verdacht auf Kindesmissbrauch durch den Großvater auf. In Einzelgesprächen aber auch mit der ganzen Familie konnte dies zwar nicht endgültig geklärt werden. „Aber die Familie geht damit jetzt offen um und die Kinder dürfen nicht mehr alleine zu den Großeltern“, sagt Rümenapf. Manchmal braucht es nur eine, manchmal aber auch 20 oder mehr Beratungsstunden. Rümenapf betont jedoch: „Wir beraten, aber wir können keine Therapie anbieten.“ Zudem unterliegen alle Mitarbeitenden der Schweigepflicht.

Oft reiche es aus, wenn jemand da ist, der Verständnis für die Sorgen und Nöte habe, der Probleme nachvollziehen könne. „Wir eröffnen einen geschützten Raum, in dem Fragen und Ängste offen ausgesprochen werden können“, ergänzt Wittlinger. 

Die Erziehungsberatung ist für die Klienten kostenlos. Für die Paar-  und Lebensberatung wird ein Kostenbeitrag erbeten. Finanziert wird die Arbeit durch jährlich 300 000 Euro, die der KDV aus Eigenmitteln aufbringt, sowie Gelder des Landkreises und den Kommunen Esslingen, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen wie auch Spenden. Vor allem die Erziehungsberatung spare den Kostenträgern viel Geld, denn sie sei die günstigste Form der Jugendhilfe, erklärt Rümenapf.