Für jeden die richtige Arbeit finden

Fachkräfte durch Inklusion: Der Integrationsfachdienst ist Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung sowie Arbeitgeber im Kreis
ein Beitrag von Sabine Kreuzer für die Nürtinger Zeitung vom 4. Sept. 2019

© Foto: Sabine Kreuzer

Kai Böbel und Daniele Geiger vom Integrationsfachdienst Esslingen

Kai Böbel, Daniele Geiger arbeiten beim Integrationsfachdienst. Gemeinsam mit ihrem Team spinnen sie dort die Fäden ihres Netzwerkes: Sie beraten Menschen mit Behinderung, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind, aber auch Arbeitgeber, die behinderte Menschen beschäftigen möchten.

Wenn es um die Einstellung eines Menschen mit Handicap geht, haben die meisten Arbeitgeber zunächst Fragen. Genauso sieht es auch auf Seiten der Arbeitnehmer aus, wenn sie trotz einer Einschränkung eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt suchen.

Um beiden Seiten die Scheu zu nehmen und eine Zusammenarbeit zu ermöglichen, gibt es den Integrationsfachdienst (IFD). Im Auftrag des Integrationsamtes des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) ist er unter der Trägerschaft des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen und des Vereins für Sozialpsychiatrie Reutlingen der zentrale Partner für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben.

Bei seiner Arbeit kooperiert der IFD mit Schulen sowie Werkstätten für behinderte Menschen und arbeitet eng mit der Arbeitsagentur, dem Staatlichen Schulamt, der Deutschen Rentenversicherung sowie dem Landkreis Esslingen zusammen. „Unsere Klienten können unseren Dienst während ihres gesamten Arbeitslebens in Anspruch nehmen“, sagt Kai Böbel. Er ist Teamleiter des IFD für den Landkreis Esslingen. Die Hilfestellung fängt schon oft in der Schule an. „Wir arbeiten sowohl in der Vermittlung als auch in der Sicherung von Arbeitsplätzen“, erzählt Böbel.

Wenn es um die Vermittlung geht, spielen junge Erwachsene die große Rolle: Der IFD unterstützt Schüler mit besonderem Bedarf bei der beruflichen Orientierung, Vorbereitung, Erprobung und Aufnahme einer geeigneten Ausbildungsoder Arbeitsstelle. „Das heißt, wir schauen, bei welchen Schülern eine Ausbildung wie weit möglich ist“, so Böbel. Ist eine Regelausbildung nicht möglich, suchen die Fachberater des IFD nach einem geeigneten Praktikumsplatz für die jungen Erwachsenen.

Ziel der Praktika ist es, die Fähigkeiten und Interessen der Schüler herauszufinden und sie so für eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fit zu machen. Verschiedene Praktika helfen dabei herauszufinden, welche Beschäftigung geeignet ist. „Die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber findet meistens während dieser Praktikumszeit statt“, so Böbel. Das sei der Grundstein für eine Verlängerung des Praktikums und am Ende hoffentlich für eine Festanstellung.

Mit Werkstätten für behinderte Menschen kooperiert der IFD ebenfalls. Wenn hier ein Beschäftigter auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln möchte, sind die Jobcoaches der Werkstätten zunächst noch für die Suche nach einem Praktikumsplatz verantwortlich. Geht es dann um die weitere Vermittlung auf den freien Arbeitsmarkt, steigt der IFD mit ein. Der Arbeitnehmer wird in der Anfangszeit in seinem Betrieb vom IFD begleitet. „Wir sehen uns als Brückenbauer“, sagt Böbel. Es sei nicht so, dass ein Berater ständig vor Ort sei und aufpasse, sondern nur, wenn er gebraucht werde. „Wir wollen, dass unsere Klienten die erste Hürde alleine überwinden“, so der Teamleiter.

Ein weiteres Aufgabengebiet des IFD ist die Sicherung von Arbeitsplätzen. „Die meisten Problemstellungen haben wir im Sicherungsbereich“, sagt Daniele Geiger. Sie arbeitet seit über 20 Jahren beim IFD und kennt sich hier gut aus. „Zum Beispiel nach einer langen Erkrankung sollte der berufliche Wiedereinstieg gut vorbereitet werden“, so Geiger. Dabei klärt der IFD mit Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Krankenkasse und Ärzten, ob eine Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz möglich ist. „Es ist uns wichtig, dass die Arbeitgeber wissen, dass wir jederzeit für Rückfragen offen sind“, betont Böbel. Nur wenn beide Seiten zufrieden seien, also sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, sei eine Zusammenarbeit möglich. Sonst sei das Ziel, den Arbeitnehmer dauerhaft in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung unterzubringen gefährdet, sagt Böbel. 

Sowohl bei der Vermittlung als auch bei der Sicherung können Arbeitgeber jederzeit auf den IFD zukommen. „Die Fragen der Arbeitgeber sind in beiden Fällen sehr vielfältig und teilweise identisch“, sagt Geiger. Da die meisten Arbeitnehmer bei ihrer Anstellung noch nicht schwerbehindert waren, sondern dies erst im Laufe des Arbeitslebens geworden sind, sehen die Betriebe sich oft erstmals mit solch einer Situation konfrontiert.

Häufig seien Fragen zur Leistungsfähigkeit und Fehlzeiten, aber auch Anfragen zur speziellen Ausstattung eines Arbeitsplatzes oder die Begleitung der Wiedereingliederung, so Geiger. Allgemein gehe es auch um Bezuschussungen, Kündigungsschutz und Zusatzurlaub. „Viele Arbeitgeber möchten wissen, wie sie mit dem behinderten Arbeitnehmer umgehen sollen“, sagt Böbel: „Und ob es sinnvoll sei, die Mitarbeiter in diese Richtung zu schulen.“

Der nächste Schritt des Inklusionsgedankens ist für Böbel: „Dass die Menschen, die Inklusion für sich beanspruchen, nicht immer die Bittsteller sind.“ Geiger und Böbel wünschen sich, dass künftig mehr Arbeitgeber auf den Integrationsfachdienst zukommen. „Es gibt in jeder Firma eine Tätigkeit, die für einen Menschen mit Behinderung passen kann“, sagt Böbel. Von einer Zusammenarbeit sollen beide Seiten profitieren.

Böbel: „Dass die Menschen, die Inklusion für sich beanspruchen, nicht immer die Bittsteller sind.“ Geiger und Böbel wünschen sich, dass künftig mehr Arbeitgeber auf den Integrationsfachdienst zukommen. „Es gibt in jeder Firma eine Tätigkeit, die für einen Menschen mit Behinderung passen kann“, sagt Böbel. Von einer Zusammenarbeit sollen beide Seiten profitieren.