"Ich bin hier gut aufgehoben."

Frauen und Männer mit psychischen Erkrankungen schätzen die Gemeinschaft der Tagesstätte Die Brücke in Plochingen.
Diesen und andere Beiträge zum Thema und darüberhinaus finden Sie im neuen Diakoniemagazin.

© Foto: Beutenmüller

Rund 25 Frauen und Männer besuchen im Durchschnitt täglich die Tagesstätte der „Brücke“ in Plochingen.  Menschen mit dauerhafter psychischer Erkrankung finden hier ein niederschwelliges Angebot.

„Die Gemeinschaft hier tut mir einfach gut“, sagt Ina. Die 46-Jährige hat von Geburt an eine Hirnleistungsstörung und lebt bei ihren Eltern in Ostfildern. Seit drei Jahren kommt sie jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Plochinger Tagesstätte und bleibt den ganzen Tag. Sie bastelt und malt gerne, hilft beim Zubereiten der Mittagsmahlzeit und packt da an, wo es nötig ist.
„Ina ist sehr hilfsbereit und denkt mit“, sagt Ursula Parth, die für die Tagesstätte zuständig ist. Inas Ziel sei, wieder wie früher in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Darauf bereiten die Mitarbeiter der Tagesstätte sie und andere vor. „Ich will einfach unter die Leute kommen. Hier treffe ich Menschen, die dieselben Schwierigkeiten haben wie ich. Der Austausch mit ihnen gibt mir Kraft“, erzählt Ina. „Zuweilen macht es ‚klick‘ und ich kann meine Probleme aus einem anderen Blickwinkel sehen.“ 

Am Wochenende fehlt ihr das Miteinander: „Am liebsten wäre mir, wenn auch samstags und sonntags offen wäre.“ Ina hat in der „Brücke“ viele Kontakte geknüpft. Nicht selten ist sie mit anderen Besuchern privat unterwegs – zum Schwimmen, Laufen, Kaffeetrinken. So haben sich Freundschaften entwickelt. „Ich gehe gerne auf Menschen zu“, berichtet Ina.

Genau das konnte Maria lange Zeit nicht. Die 22-Jährige, die bei ihrer Mutter lebt, hatte viel zu große Angst, das Haus zu verlassen. „Ich wollte so gerne andere Menschen treffen, aber ich traute mich einfach nicht“, erzählt sie. Als Maria den Schritt endlich wagte, war die Erleichterung groß: „Ich fühlte mich hier gleich wohl und bin stolz, dass ich es geschafft habe.“ Inzwischen kommt sie jeden Tag alleine aus Deizisau. Auch ihr gibt der geschützte Rahmen Sicherheit. Zudem hilft ihr das Bewusstsein, dass hier alle Besucher ähnliche Probleme haben. „Mein Radius ist viel größer geworden und ich gehe wieder alleine spazieren oder einkaufen“, berichtet sie. Maria hofft, dass sie irgendwann nicht nur selbständig wohnen, sondern auch ihre hauswirtschaftliche Ausbildung fortsetzen kann, die sie wegen ihrer Krankheit abbrechen

musste.

Peter, der an Schizophrenie erkrankt ist, hat viele Jahre trotz seiner Krankheit weiter in seinem Beruf

als Graveur gearbeitet. Der 74-Jährige gehört zu den Besuchern der ersten Stunde, seit die Tagesstätte 1997 eröffnet wurde. Inzwischen kommt er täglich vor allem zum Lesen oder Basteln. Er hilft aber auch im hauswirtschaftlichen Bereich oder wenn es Dinge wie das Diakonie-Magazin zu kuvertieren gibt. Dass er seit sieben Jahren nicht mehr stationär in der Psychiatrie war, schreibt der Plochinger auch der Tagesstätte

zu. „Hier wird man richtig aufgebaut“, sagt er. Gebe es mal Schwierigkeiten, sei die „Brücke“ eine gute Anlaufstelle für ihn oder auch seine Ehefrau, versichert Peter. Die Tagesstätte empfindet er als Schutzraum: „Ich bin hier gut aufgehoben.“

Diakoniemagazin Sommer 2018

Sinnstiftende Tagesstruktur und soziale Kontakte - kein Mensch kann darauf verzichten. Umso wichtiger sind sie für psychisch kranke Menschen. Lesen Sie über die Angebote der Brücke in Plochingen, den Beitrag dazu von Katharina Kiewel der Sozialdezernentin des Landkreis Esslingen und warum die Plochinger Tagesstätte für viele zur zweiten Heimat geworden ist.

Außerdem wie immer: Neues und Interessantes aus dem KDV und der Diakonie in Württemberg.

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