Inklusion ist gelebte Vielfalt

Unter dem Titel „Arbeit, Inklusion, Leistung. Geht das zusammen?“ diskutierten Politiker und Experten in der Arbeits- und Begegnungsstätte Wernau (ARBEG) über Fortschritte und Probleme bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt.

Diskussionsteilnehmer am runden Vesperkirchentisch in der Arbeits- und Begegnungsstätte (Wernau).

Gemeinsam mit den Werkstätten Esslingen-Kirchheim (WEK) hatte der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) am 24. Januar 2019 Politiker und Experten zum konstruktiven Gespräch an und um seinen bunten, runden Vesperkirchentisch geladen. Neben den Bundestagsabgeordneten Dr. Nils Schmid (SPD) und Markus Grübel (CDU) diskutierten die Stadträtinnen Rena Farquhar (FDP, Esslingen) und Dr. Jutta Zwaschka (Die Linke, Ostfildern) sowie die Behindertenbeauftragte des Landkreises Esslingen Marlis Haller und der ehemalige Vorsitzende der Kirchheimer Lebenshilfe Christian Birzele-Unger mit.

Zusammengehalten und moderiert wurde das lebhafte und kontroverse Gespräch, bei dem sich auch die anwesenden Gäste rege beteiligten, vom Geschäftsführer des KDV Eberhard Haußmann. 

Übergreifender Tenor der Veranstaltung war, dass sich seit 2009, als Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben hat, zwar viel Positives in Sachen Inklusion getan hat, dass es aber noch bedeutend mehr gesellschaftlichen und politischen Willen und mehr Geld braucht, um jeden Menschen überall, sei es am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit, teilhaben zu lassen.       

Nils Schmid betonte, dass ein Perspektivwechsel hin zu einer „neuen Normalität“ von Inklusion nötig ist und dass dies die Verantwortung der Gesamtgesellschaft sei. Christian Birzele-Unger fügte hinzu: „Inklusion ist nicht selbstverständlich. Man muss ständig etwas dafür tun.“  Und Markus Grübel sprach sich für die Wiedereinführung eines „verpflichtenden Gemeinschaftdienstes“ aus, um mehr „Inklusionsbotschafter“ im Alltagsleben verankert zu haben.  

Damit das inklusive Miteinander nicht nach der zehnten Klasse ende, müsse sich der Arbeitsmarkt weiter öffnen, war eine weitere Kernaussage, auf die sich die Runde einigen konnte. Kai Böbel vom Integrationsfachdienst in Plochingen merkte in diesem Zusammenhang an, dass es oft gerade die großen Firmen in der Region seien, die sich aufgrund ihrer betrieblichen Strukturen mit einer  inklusiven Öffnung schwer tun. Hier sei im Gegensatz zu kleineren und mittelständischen Unternehmen eine Job-Vermittlung von Menschen mit Behinderung äußerst selten.

Zwar sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, eine Fünf-Prozent-Schwerbehindertenquote einzuhalten. Doch sie können sich freikaufen. Und über 60 Prozent der Unternehmen tun dies auch. Hier müsse sich dringend etwas tun, bekräftigt auch Nils Schmid. Um mehr Arbeitgeber davon zu überzeugen, künftig mehr Menschen mit Behinderung einzustellen, könnten daher gute Beispiele, wie die Bäckerei Schill (Denkendorf) oder das Café Morlock (Plochingen), hilfreich sein. In beiden Betrieben arbeiten seit vielen Jahren Menschen mit und ohne Behinderung erfolgreich zusammen. Beide anwesenden Geschäftsführer betonen, dass es noch deutlich mehr Unterstützung von Seiten der Politik geben sollte. 

Am Ende der Diskussion in der ARBEG steht eine Vision von einer Gesellschaft, die sich durch mehr Inklusion, durch „gelebte Vielfalt“ (Marlis Haller) positiv verändern kann. In dieser Gesellschaft geht es mehr um Gemeinsinn und Miteinander und weniger um Leistungsdenken und Profit. Und ein möglicher Baustein auf diesem Weg könnten „mehr Begegnungsrunden an Runden Tischen“ (Rena Farquhar) sein.  

Text: Alexander Bergholz

Ihr Ansprechpartner

Alexander Bergholz

Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen

Berliner Str. 27

73782 Esslingen

Tel.: 0175 5134923
E-Mail: a.bergholzdontospamme@gowaway.kdv-es.de