ONBERA – niederschwelliges Angebot der psychologischen Beratung

Zehn Jahre Online-Beratung des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen

© Foto: KDV, Screenshot, onbera Film

Der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) macht auf vielen Feldern der sozialen Arbeit unterschiedliche Beratungs- und Hilfsangebote. Dazu gehört seit rund 40 Jahren die Psychologische Beratung. Saßen sich früher Berater und Hilfesuchende von Angesicht zu Angesicht gegenüber, gibt es seit zehn Jahren auch die Möglichkeit, sich online Unterstützung zu holen. 

Dieses niederschwellige Angebot, ONBERA genannt, richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die auf dem „klassischen“ Weg kaum abgesprochen werden. Zwei der insgesamt über 125 Mitarbeitenden des KDV sind speziell dafür geschult. Verschlüsselt und über einen gesicherten Server tauschen sie sich per E-Mail mit den Klienten aus. Wer will, kann Namen, Alter, Geschlecht und Wohnort preisgeben. Meist jedoch laufen die Kontakte anonym. Wer sich hinter Pseudonymen wie Dark Angel oder Sunshine verbirgt, wissen die Berater nicht. Auch Stimme, Mimik und Gestik fallen weg. Damit die Kommunikation trotzdem gelingt, gibt es ein Konzept der Kontaktaufnahme. Entwickelt hat es Birgit Knatz, die eine Telefonseelsorge im Ruhrgebiet leitet und die Deutsche Gesellschaft für Online-Beratung mitbegründet hat. 

„Durch ONBERA erreichen wir junge Menschen, die sonst nie den Weg in die Beratungsstelle finden würden“, erklärt Elisabeth Rümenapf, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Filder (PBS), wo ONBERA angesiedelt ist. Die Anonymität schaffe mehr Offenheit, weiß Knatz. „Die jungen Menschen schreiben oft Dinge, über die sie nicht sprechen können.“

ONBERA ist ganz bewusst ein regionales Hilfsangebot für den Landkreis Esslingen. „Deshalb werben wir nicht breit, sondern gehen gezielt etwa an Schulen im Landkreis“, sagt KDV-Geschäftsführer Eberhard Haußmann. Rund 1600 Menschen haben sich in den vergangenen zehn Jahren an ONBERA gewandt. Rund 6500 Mails haben die Beraterin und der Berater seither geschrieben. Meist reichen einige wenige Mails, um Probleme zu klären, andere Nutzer werden bis zu zwei Jahre begleitet. Zwei bis drei neue Anfragen erreichen ONBERA pro Woche. Die Themen sind breit gestreut und reichen von Depressionen, Ängsten, Suizid, Selbstverletzungen, sexualisierter Gewalt, Problemen mit Familie und Freunden, Essprobleme oder mangelnder Selbstwert. „In ganz schwierigen Fällen, etwa wenn es um Suizidankündigungen geht, versuchen wir die Eltern ins Boot zu holen und die jungen Menschen in die Beratungsstelle zu holen. Das gelingt meist auch“, erklärt Rümenapf. Dafür sei wichtig, dass zum Online-Berater bereits ein Vertrauensverhältnis besteht. Zudem ist die PBS gut vernetzt und kann auf andere Beratungs- und Hilfsangebote verweisen. „Wir haben auch eine Brückenfunktion“, sagt Rümenapf.

Die Mitarbeiter der Online-Beratung haben dank Schulungen, Austausch im Team  und Supervision gelernt, mit der Anonymität, umzugehen – auch in diffizilen Situationen. Was tun, wenn jemand einen Suizid ankündigt und sich plötzlich nicht mehr meldet? Dann werde es für die Mitarbeitenden besonders schwierig, weiß Rümenapf. Und es gilt, im Austausch die nötige Distanz zu wahren. Dazu gehört auch, die Online-Beratung irgendwann zu beenden. „Es geht nicht um Freundschaft, sondern um eine professionelle Beziehung“, sagt Haußmann.

Der Bedarf an Online-Beratung steigt ständig. Deshalb ist Haußmann überzeugt, dass man vor zehn Jahren eine gute Entscheidung getroffen hat. „Die Entwicklung gibt uns Recht, dass wir auf das richtige „Pferd“ gesetzt haben. Denn die Digitalisierung wird unser Leben in der Zukunft noch mehr prägen und da ist ONBERA auf dem richtigen Weg – der Bereich wird bestimmt noch wachsen und wir wollen die Entwicklungen wachsam mitgestalten.“ Auch für Knatz wird die Online-Beratung zunehmend an Gewicht gewinnen. „Es ist toll, dass sich der KDV so früh auf den Weg gemacht hat“, lobt die Fachfrau.

Finanziert wird ONBERA rein aus Spenden, Eigenmitteln des KDV und Zuwendungen der Deutschen Fernsehlotterie. Damit lassen sich 16 Stunden Beratung pro Woche finanzieren. Bis April 2020 ist die Finanzierung gesichert. Danach braucht es weitere Förderer. „Es wäre wünschenswert, wir könnten eine Regelfinanzierung der Personalkosten erreichen. Damit wäre ONBERA dauerhaft gesichert“, sagt Haußmann.