Reden hilft in der Einsamkeit der Kontaktsperre

Breite Initiative kirchlicher und sozialer Dienste organisiert Sorgen-Telefon im Landkreis Esslingen.
Montag bis Sonntag 10-17 Uhr, Tel. 07022 7007 57

Wer wegen der Corona-Epidemie in Quarantäne sitzt oder aufgrund der entsprechenden Auflagen keine sozialen Kontakte pflegen kann, wird rasch einsam. Ein neues Kontakt-Telefon soll Abhilfe schaffen. Dazu hat sich auf Initiative von Michael Waldmann, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen und Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen, eine breite Initiative zusammengefunden: Der DRK Kreisverband Nürtingen/Kirchheim, die Evangelische Kirche im Landkreis, der Kreisdiakonieverband sowie das Katholische Dekanat Esslingen-Nürtingen und dieCaritas Fils-Neckar-Alb organisieren im Landkreis Esslingen gemeinsam einen Dienst, der von Montag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr unter der zentralen Telefonnummer 07022 - 7007-57 erreichbar ist.

Speziell geschulte Ehrenamtliche aber auch hauptamtlich Mitarbeitende der beteiligten Organisationen nehmen die Anrufe entgegen. Sie haben Zeit für ein Gespräch, notieren sich bei Bedarf aber auch die Anliegen der Anrufenden und organisieren den Rückruf einer Unterstützungs- oder Beratungsstelle.„Reden hilft in der Einsamkeit“ - der Titel des Angebots ist Programm. Das Sorgen-Telefon soll ein niederschwelliges Angebot für Menschen jeden Alters und unabhängig von sozialer Stellung oder Herkunft sein. „In einer Zeit, wo viele alleinesind, teilweise in Quarantäne ausharren müssen oder nur ganz wenige Kontakte haben, ist ein solches Gesprächsangebot besonders wichtig“, sagt Michael
Waldmann.

Vielen Menschen falle das plötzliche Alleinsein nicht leicht, manchen drohe quasi die Decke auf den Kopf zu fallen. Dann kann ein Gespräch helfen.Die Anliegen oder Probleme, die Waldmann im Auge hat, müssen nicht unbedingt gravierend sein. „Es kann jeder anrufen, ob mit kleinen oder großen Sorgen und Ängsten“, betont der Theologe. Das Spektrum sieht er vom Wunsch, einfach wieder einmal mit jemandem zu reden, bis hin zu ganz existenziellen Fragen oder der Angst vor der Zukunft. Familiäre Sorgen, Erziehungsprobleme, aber auch materielle Nöte finden am Sorgen-Telefon Gehör. Zudem sind selbstverständlich auch seelsorgerliche Gespräche möglich.

Doch in erster Linie geht es darum, dassjemand da ist mit einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte des Anrufers und heraushört, welche Bedürfnisse dieser hat. Dafür werden die Mitarbeitenden geschult und auch durch Supervision begleitet. Wenn sich herausstellt, dass Bedarf für tiefergehende Gespräche besteht, wird gezielt weitervermittelt. Der Vorteil dieses auf den Landkreis Esslingen beschränkten Dienstes: Er eröffnet Zugänge zu den regionalen Fachstellen. Diese können später die Beratung und Begleitung fortführen. Manchmal reiche jedoch ein freundliches Gespräch, um aus einem Tief wieder herauszukommen, ist Waldmann sicher. Er weiß, wie wichtig menschliche Kontakte vor allem auch in Krisenzeiten sind: „Einsamkeit kann krankmachen.“

Die zentrale Nummer des Sorgen-Telefons 07022 - 7007-57 ist ab sofort geschaltet.