Tischlein, Tischlein, Du musst wandern

Der Kreisdiakonieverband schickt den "Fildertisch" auf Reisen

© Foto: P. Dietrich

Seine bunten Farben sind nicht politisch gemeint, sondern olympisch: Seit dieser Woche ist der kunterbunte „FilderTisch“ des Kreisdiakonieverbands auf einer Reise kreuz und quer über die Filder. Er soll ein Gewinn für alle sein und Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht begegnen.

 

Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? Dazu machten sich in der Johanneskirche in Filderstadt-Bernhausen rund 40 Teilnehmer einen Abend lang intensive Gedanken. Versammelt waren sie rund um den „FilderTisch“, auf seiner ersten Station auf den Fildern. Rund 20 weitere werden in den nächsten Monaten folgen, mit ganz verschiedenen Partnern und zu ganz verschiedenen Themen. Die nächste Station ist am 13. Februar das Zentrum Zinsholz in Ruit. Ab 18.30 Uhr geht es in einer Kombination von Konzert und Gespräch um das Thema „Jugendverschuldung“, am „FilderTisch“ nimmt dann unter anderem Regina Lutz, die Amtsleiterin des Kreissozialamts, Platz. Zu Wort kommen auch Sozialpädagogen, die direkt mit Jugendlichen arbeiten.

Am 17. Februar um 19.30 Uhr gibt es im Theophil-Wurm-Gemeindehaus in Leinfelden-Echterdingen-Stetten einen Austausch zur Lage in der Türkei. Mit Yasin Adigüzel vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) sitzt ein Kenner des Landes am Tisch, neben ihm sollen ganz bewusst auch andere, kontroverse Stimmen zu Wort kommen.

Am 3. März geht es von 13 bis 20 Uhr in der Filderklinik in Bonlanden um das ebenfalls kontrovers diskutierte Thema „Pränataldiagnostik“. Wenn der „FilderTisch“ am 22. Mai den Fußballverein Sportfreunde Neuhausen an seinem 100. Geburtstag besucht, dann wird er ganz sicher nicht das Tor blockieren. Es ist nicht das einzige Jubiläum auf den Fildern in diesem Jahr:  Die Psychologische Beratungsstelle Filder wird 40 Jahre, die Fildertafel 25 Jahre. Sie wurde als dritte Tafel der Bundesrepublik eröffnet und wird leider immer mehr gebraucht. Bei beiden Geburtstagsfeiern ist der „FilderTisch“ dabei. Er wird beim Bunten Familientag im Waldheim ebenso zu sehen sein wie beim Drachenfest Ostfildern und beim Integrativen Konzert mit Begegnung in der Musikschule Ostfildern in Nellingen. Die Stadtbibliothek in Filderstadt besucht er zum Themennachmittag „Neue Medien“, nach Leinfelden kommt er zur Diskussion „Pflegenotstand auf den Fildern?“. Die Aufzählung ist nicht vollständig, es kommen ständig weitere Termine hinzu, sie sind unter www.gemeinsam-an-einem-Tisch.de zu finden.

Besuchern der Vesperkirchen in Esslingen und Nürtingen sind ein olympiabunter Tisch und eine lange Tafel bereits aus den Vorjahren bekannt. Die positiven Auswirkungen haben den Kreisdiakonieverband dazu gebracht, auch auf den Fildern einen Tisch loszuschicken. Die Reiseleitung hat Alexander Bergholz übernommen. Er koordiniert das Projekt gemeinsam mit Andrea Wohlfahrt, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Filder. 

Das Jobcenter in Echterdingen wird der Tisch als „Vorurteilstisch“ besuchen. Denn Vorurteile gibt es viele: „Warum gängeln die mich? Warum arbeitet der nicht?“ Bei einer Tasse kommen Mitarbeiter des Jobcenters und Kunden locker ins Gespräch. „Wenn man sich kennt, schwinden die Vorurteile“, beobachtet Tanja Herbrik, Leiterin des Fachbereichs Armut und Beschäftigung beim Kreisdiakonieverband.

Die Rückmeldungen auf einen ähnlichen „Vorurteilstisch“ im Jobcenter in Esslingen waren sehr positiv. „Um die Hemmungen zu überwinden, die Gratisgetränke anzunehmen, haben wir Gutscheine verteilt, das hat sich bewährt“, sagt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. „So bunt wie der Tisch wünschen wir uns die Gäste. Es ist unser christlicher Auftrag, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Gerade heute, wenn das Gemeinschaftsgefühl auseinanderdriftet. Jeder kocht seine Suppe. Ich freue mich über jeden, der kommt und sagt, ich höre mir das mal an, obwohl wenn er ganz anderer Meinung ist. Wir wollen die Liebe zum Kompromiss wecken.“ Auch Dekan Gunther Seibold freut sich über den „FilderTisch“: „Es gibt viel Arbeit der Diakonie, die in der Öffentlichkeit gar nicht bekannt ist. Das Bild des großen Tisches, an dem alle zusammenkommen, gibt es schon in der Bibel.“

„Da reden Leute miteinander, die das sonst nie tun würden“, sagt Bettina Moritz, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums Bernhausen. Andrea Wohlfahrt, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Filder, hat erlebt, das einfach mal jemand mit der Begegnung anfangen muss. „Nach einem Jahr in der neuen Diakonischen Bezirksstelle Filder habe ich noch immer keinen Nachbarn gekannt, also haben wir ein Nachbarschaftsfest organisiert. Die Nachbarn fanden das so klasse, dass sie das Fest nun selbst weiterführen.“