Von der Kundin zur Ladenleiterin

das Foto (Dietrich) zeigt die alte und die neue Leitung des Diakonieladens Esslingen, links Reinhard Eberst (alt) und rechts Anke Holst (neu).

Siebeneinhalb Jahre lang hat Reinhard Eberst den Diakonieladen Esslingen geleitet. Im Januar übernimmt er die Leitung der Diakonischen Bezirksstelle in Kirchheim. Vor einigen Tagen hat seine Nachfolgerin Anke Holst ihren Dienst angetreten.

Wie lange steht ein gespendetes Möbelstück im Diakonieladen? Reinhard Eberst muss nicht lange nachdenken: „Von zehn Minuten bis drei Wochen.“ So mancher Kunde beginnt nach einer Flucht oder einem beruflich bedingten Umzug mit einer völlig leeren Wohnung und braucht zunächst alles. So manches Möbelstück kehrt später als erneute Spende zurück, vielleicht konnte sich der Besitzer inzwischen ein edleres Nachfolgestück leisten. „Einen Tisch haben wir jetzt innerhalb von zwei Jahren zum dritten Mal im Angebot“, sagt Reinhard Eberst.
In den siebenhalb Jahren ist die Kundschaft deutlich gewachsen, auch das Team wurde größer. In beiden Standorten zusammen, in der Küferstraße und am Ottilienplatz, kommen pro Tag etwa 150 Kunden. Zwölf Menschen mit Arbeitsgelegenheiten arbeiten im Diakonieladen Esslingen, 25 Ehrenamtliche helfen mit. Manche Mitarbeiter leisten im Diakonieladen ihre gemeinnützige Arbeit ab, zu der sie verpflichtet wurden. Reinhard Eberst hat gelernt, mit einem solchen Team zu arbeiten, in dem es auch öfters mal Ausfälle gibt, manche Menschen nur drei Stunden am Tag arbeiten können. „Die Öffnungszeiten zu stemmen, abholen, zustellen, das ist eine Marathonveranstaltung.“ Er schätzte die vielen kreativen Ideen seiner Mitarbeiter. „Der große Schreibtisch wollte partout nicht ins Zimmer. Ein Pakistani wusste, wie es geht.“ „90 Prozent der Mitarbeiter nehmen eine gute Entwicklung“, sagt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. „Sie fühlen sich wieder etwas wert.“
Anke Holst, die neue Leiterin, kennt den Diakonieladen Esslingen schon lange, als Kundin. „Ich will nachhaltig leben“, sagt sie, besucht seit 15 Jahren Flohmärkte und trägt schon immer gerne  Kleidung aus zweiter Hand. Die 50-Jährige aus Esslingen hat Schneiderin gelernt und lange am Theater gearbeitet, in Stuttgart genauso wie an der WLB in Esslingen. Weil sie gerne mit Menschen zu tun hat, hat sie zusätzlich eine Ausbildung zur Arbeitserzieherin absolviert. Sie hat Menschen mit geistiger Behinderung begleitet, war bei der Diakonie Stetten und in der Lederschmiede der Caritas in Stuttgart tätig. Dann hat sie in der Zeitung die Stellenanzeige des Kreisdiakonieverbands entdeckt.
Anke Holst freut sich über die große Spendenbereitschaft der Menschen – auch wenn sie wie jüngst eine japanische Vase mit 1,50 Meter Höhe bringen. Diese Spenden hängen stark von der zentralen Lage des Diakonieladens ab. Diese gute Lage ist auch für die Kunden sehr wichtig, von denen etwa jeder zweite kein Auto besitzt. „Wir wollen diesen Prozess nicht aufhalten“, sagt Eberhard Haußmann zur Überlegung der Stadtverwaltung, am Standort Küferstraße eine neue Stadtbücherei zu bauen. „Aber wir wollen nicht raus aus der Stadt.“
Was der Diakonieladen Esslingen zum Glück verlassen hat, ist sein anfängliches kleines Defizit, inzwischen trägt er sich selbst. Das ist das Ziel, er muss keinen Gewinn erwirtschaften. Während sich andere Ladenbesitzer über immer mehr Kunden rückhaltlos freuen würden, ist das im Diakonieladen anders. „Eigentlich ist das traurig“, sagt Anke Holst. „Es zeigt, dass die Armut immer mehr zunimmt.“

Mit altem Zinn Not lindern!

Die Diakonischen Bezirksstellen des Kreisdiakonieverbandes unterstützen im Rahmen der Sozial- und Lebensberatung Menschen in besonderen Notlagen. Bestandteil der Hilfestellung können auch finanzielle Hilfen aus dem sogenannten Notsorgefond sein.

Herr S. freute sich z.B. über einen Zuschuss zu seiner Zahnsanierung. Er ist dankbar, dass man ihm in Zukunft seine Armut nicht mehr an den Zähnen ansehen wird und er sich deswegen nicht mehr schämen muss.

In den letzten Jahren war der Fonds meist schon Monate vor Ablauf des Jahres erschöpft, so dass keine Hilfen mehr gewährt werden konnten.

Die Diakonieläden im Landkreis haben sich die Aktion einfallen lassen, mit deren Hilfe mehr Spenden in den Fond fließen könnten: Viele haben Zinnbecher, Zinnteller oder anderes Zinngeschirr in ihrem Zuhause. Altes Zinngut ist ein Rohstoff, der einschmolzen in neuen Gerätschaften verbaut werden kann.
Die Diakonie erlöst mit Altzinn 7 - 8 Euro pro Kilogramm.

Helfen Sie mit altem Zinn Menschen in finanziellen Nöten! Geben Sie altes Zinngeschirr in den Diakonieläden ab. Sämtliche Erlöse fließen dem Notsorgefond zu.

Young Givers - eine Idee kommt an!

Bei der Konfi-Rallye in Nürtingen 2017 wurden erstmals junge Menschen dazu eingeladen zu Hause guteerhaltene Bekleidung auszusortieren und im Diakonieladen zu spenden. Die Konfis brachten eigene Stücke von solche der Eltern und Geschwister, kaum jemand kam mit leeren Händen.

Spenden, anderen etwas abgeben macht Freude! Das sah man den Gesichtern der Jungen und Mädchen an. Das Thema Spenden, welches auch im Konfirmanden-Unterricht behandelt wird, fand so eine praktische Umsetzung in echten Leben.

Sofakonzert zum Standortjubiläum

Bis spät Abends gab es am Donnerstag 12. Oktober im Diakonieladen in der Plochinger Straße 61  rhythmische Töne.

Zur Musik von „ For me and my sons“ feierte die Kreisdiakonie mit ihren Einrichtungen Diakonische Bezirksstelle, Diakonieladen und ihren 150 Gästen das zehnjährige Standortjubiläum.

Voll Dankbarkeit über die viele Unterstützung durch Spender, Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Besucher würdigten C. Epple (Diakonieladen-Leiter) und R. Maier-Scheffler ( Leiterin der DBS ) diesen Anlass.

Es wurden Pläne für das Sanierungsgebiet, in dem die Einrichtungen liegen, gezeigt und Publikum und Besucher bekräftigten, dass diese Einrichtungen mitten in die Stadt gehören.